Am 3. Juni 2024 findet vor der Polizeiwache an der Hansaallee in Herford eine Kundgebung gegen Polizeigewalt statt. Anlass ist, dass ein Jahr zuvor eine Polizeikontrolle mit 34 Schüssen auf den damals 19-jährigen Bilel aus Herford endete. Mehrere Kugeln trafen ihn in den Körper, das BKA stellte in einem Gutachten fest, dass zwei davon potenziell tödlich waren. Der junge Herforder erlitt schwerste Verletzungen und ist heute querschnittsgelähmt. „Nach mehreren Tagen im Koma und einem mehrmonatigen Krankenhaus- und Reha-Aufenthalt konnte Bilel Anfang dieses Jahres in seine Heimatstadt zu seiner Familie zurückkehren. Wie durch ein Wunder hat er überlebt. Nun beginnt für ihn und seine Familie ein neuer Lebensabschnitt. Doch die potentiell tödliche Polizeigewalt vor einem Jahr ist nicht vergessen. Wir fordern weiterhin Gerechtigkeit für Bilel und eine unabhängige Stelle zur Aufklärung von Polizeigewalt“, so Marla Winter vom Solidaritätskreis Bilel und weiter: „Für uns ist keine Polizeigewalt zu rechtfertigen, schon gar nicht in dieser brutalen Form. Für uns ist es nur denkbar, dass so brutal vorgegangen wurde, weil auf Bilel eine Form von Gewaltbereitschaft und Kriminalität projiziert wurde, die auf rassistischen Vorannahmen beruht. Er war ein unbewaffneter, in die Enge getriebener Jugendlicher, der für diese Ungerechtigkeit einen hohen Preis zahlen musste, fast mit seinem Leben“. Die Kundgebung am 3. Juni 2024 soll an das Ereignis erinnern und findet deshalb auch vor dem Polizeipräsidium in Herford statt – dort, wo auch die Verantwortlichen sitzen. Die Demonstration ist ein weiterer Schritt in der öffentlichen und politischen Auseinandersetzung mit Polizeigewalt in Herford und Deutschland. „Noch in diesem Jahr soll gegen Bilel Anklage wegen versuchten Mordes erhoben werden. Gerade der Jahrestag dieses Ereignisses erinnert daran, wie wichtig in Zeiten des gesellschaftlichen Rechtsrucks und des lauter werdenden Rufs nach autoritärer Führung eine antirassistische solidarische politische Praxis ist, die einen kritischen Diskurs auch gegenüber Polizeigewalt am Leben hält. Wir als Solidaritätskreis werden uns auch weiterhin daran beteiligen und den Fall Bilel mit verschiedenen Aktionen und Öffentlichkeitsarbeit begleiten und Gerechtigkeit, Aufklärung und Konsequenzen fordern“, so Murat Haydemir vom Solidaritätskreis Bilel.

Der 19-Jährige war eine Woche vor seiner praktischen Führerscheinprüfung nachts mit dem Auto seiner Familie unterwegs. Nach Angaben der Polizei wollte ihn eine Zivilstreife anhalten, weil er ohne Licht gefahren sein soll.
Der Jugendliche habe nicht angehalten, woraufhin 13 Beamte in mehreren Polizeistreifen das Auto des Jugendlichen bis in den Nachbarort verfolgten. Dort kam es in einer Sackgasse zu den 34 Schüssen der Polizei auf den unbewaffneten Jugendlichen aus sechs verschiedenen Waffen.

Im Sommer und Herbst 2024 fanden in Herford zwei Demonstrationen gegen Polizeigewalt und Rassismus statt. Letztere mit über 1500 Teilnehmenden, darunter viele Jugendliche aus Herford und darüber hinaus. Auf den Demonstrationen wurde Solidarität mit dem jungen Herforder und Mitgefühl mit der Familie zum Ausdruck gebracht.
„Die Demonstranten forderten Gerechtigkeit, Aufklärung und Konsequenzen. Trotz populistischer Verbotsforderungen der Herforder CDU, rechter Stimmungsmache im Vorfeld und einem massiven Polizeiaufgebot konnte die Demonstration dank ihrer Entschlossenheit bis zum Ende durchgeführt werden“, so Rukem Abdel vom lokalen Demonstrationsbündnis.